Die Profis

Neulich habe ich die allererste Folge Der Prinz von Bel Air nochmal geguckt. Die ist von 1990. Erinnert ihr euch, wo Hilary herkommt, als sie das erste Mal zu sehen ist?

Richtig: Von einer Klimaschutz-Demo.

Klimawandel ist kein neues Phänomen. Meine Generation ist in dem Wissen aufgewachsen, dass wir ein Problem haben. Mir ist gerade erst aufgefallen, dass ich bis vor Kurzem dachte, daran würde ernsthaft gearbeitet.

Ich bin echt so naiv! „Die Profis“, um mal den Herrn Lindner von der FDP zu zitieren, haben jetzt mindestens 30 Jahre ihren Job nicht gemacht: Die Wirtschaft und den privaten Konsum an die Kandare zu legen und Gesetze zu erlassen, die wirklich den Erhalt unseres Lebensraums zum Ziel haben. Aber schon damals hieß es ja nicht umsonst: Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß.

Die Wirtschaft ist mit freiwilligen Selbstverpflichtungen und Ausnahmeregelungen gut weggekommen, und der private Konsum ist ja nun einmal das, was Arbeitsplätze sichert. Unsere Exportschlager sind Autos, Kriegsgerät und Mastanlagen.

Herr Lindner meint, das Problem sei zu komplex um von den jungen Leuten durchdrungen zu werden. Das sollten sie den Profis überlassen. Ich kann mich ja irren, aber: Fordern die Schüler*innen nicht exakt das, dass die (bezahlten) Profis den Job endlich machen?!?!?!

Wenn man ein Problem jahrelang aussitzt, werden die Lösungen immer größer, unbequemer und teurer. Das ist es vielleicht, was Herr L. meint. „Wenn wir das Problem jetzt noch angehen, wird das aber nicht lustig.“

Vielleicht setzt er darauf, dass uns allen das Problem jetzt langsam zu groß und zu unbequem zu lösen wird. Hier im Norden werden wir ja noch eine Weile auskommen, bevor wir absaufen. Wir können den Chinesen noch eine ganze Menge Mastanlagen und den Saudis noch massenweise Waffen verkaufen, bevor es auch uns erwischt.

Unsere Kinder und Kindeskinder werden Kriege um fruchtbares Land führen, die sie verlieren werden, weil unsere kaputt gesparte (aber familienfreundliche!) Bundeswehr gegen unsere exportierten Schlager leider keine Chance hat. Aber wir sind dann schon tot, also: quem jucket?

Meine Generation hat nicht hart genug gekämpft. Vielleicht weil wir dachten, dass die Profis ihren Job machen. Vielleicht waren wir auch nur zwischen all den gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten Jahre gut damit beschäftigt, unsere Familien zu ernähren.

Die Generation Y haben wir an Instagram verloren.

Aber die Kiddies jetzt da, unsere Kiddies, die laberst du nicht dumm an! Beweg deinen Arsch aus dem Bundestag oder mach deinen Job! Sonst zeigen dir die Profi-Eltern mal, wie es aussieht, wenn wir unsere Schneeflocken beschützen!

#FridaysForFuture #ParentsForFuture

Foto: Fridays For Future Deutschland, (c)Marlin Helene https://www.flickr.com/photos/161768312@N07/39941035433/

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