Je suis…

eine Kabarettistin, die heute Abend einen Auftritt hat. Und zum ersten Mal habe ich keinen Bock. Ich kann mir grad nicht vorstellen, nachher lustig zu sein, während wir schon wieder einen Anschlag betrauern. Es ödet mich an, dass ich eigentlich auch jeden Abend meine IS-Nummer spielen könnte, und sie wäre immer noch aktuell. Ich weiß nicht, wie lange ich mir noch einreden kann, zerbrochene Stifte seien jetzt halt zwei Stifte, und darum werden wir gegen den Terror gewinnen. Ich weiß nicht, wie viel Terror Menschen aushalten, bevor sie die Strategie ändern und anfangen, sich selbst zu bewaffnen. Und ich kann es auch nicht mehr hören, wie Politiker gebetsmühlenartig immer dieselben Sätze absondern, die doch nur zeigen, dass sie selber auch keine andere Strategie haben als wegzugucken oder Länder zu bombardieren.

Je suis une comédienne. Es sind nur 10 Minuten in einer Mixed Show, und so lustig bin ja auch gar nicht. Wer bin ich denn, dass ich mich selbst infrage stelle wegen dem, was anderen widerfährt?

Wenn wir uns klar machen würden, was jetzt gerade alles in der Welt los ist, wir müssten uns mit 150 schönen Menschen in einem Club einschließen und hundert Jahre Katzenvideos gucken, um je wieder glücklich zu werden.

Also Kostüm rauslegen, Text nochmal durchgehen, Stimme aufwärmen, Soundcheck, Vorhang.

Ich freu mich auf gleich!

Eure Nalli

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